Lohndumping bei Calvör

Aus: Göttinger Betriebs Express, Nr. 187 vom 02.12.09

So hatte sich der Inhaber der „Akademischen Buchhandlung Calvör“ die Geschäftserweiterung wohl nicht vorgestellt: Seine Übernahme der Buchhandlung auf dem Göttinger Campus im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität ist nicht etwa durch ein besonderes Buchsortiment in aller Munde, sondern wegen der schlechten Bezahlung der Beschäftigten.
Kaum hatte sich herumgesprochen, dass diese Verkaufsstelle ab September als Calvör-Filiale betrieben wird, da gründeten GewerkschaftsaktivistInnen gemeinsam mit Studierenden eine Initiative für bessere Arbeitsbedingungen auf dem Campus, das „Bündnis Dichtmachen Göttingen“. Ihrer Informationsarbeit ist zu verdanken, das seitdem einer breiteren Öffentlichkeit unwürdige Arbeitsbedingungen bekannt werden, die nicht nur in dieser Filiale gelten, sondern zuvor schon jahrelang auch im Calvör-„Stammhaus“ sowie in der Filiale in Bovenden: miese Löhne weit unter Tarif, Behinderung der Betriebsratsarbeit, respektloser und willkürlicher Umgang des Eigentümers mit seinen Angestellten. Die sehr hohe Fluktuation unter den Beschäftigten spricht Bände: In den letzten ca. 10 Jahren nahmen ca. 20 Angestellte ihren Hut…..
GUTSHERRENART ZAHLT SICH NICHT AUS
Die aktuelle öffentliche Diskussion hat sich der Eigentümer Herr Kohl jedenfalls selbst verdanken, verweigert er doch seit Jahren hartnäckig jedes Gespräch mit seinen Beschäftigten zu diesem Thema.
Seit ca. 2 Jahren gibt es bei Calvör einen Betriebsrat. Auslöser dieser Initiative war eine der typischen Willkürmaßnahmen des Eigentümers Herrn Kohl: ohne jedes wenn und aber verweigerte er zwei MitarbeiterInnen mit schulpflichtigen Kindern, ihren Urlaub in der Schulferienzeit zu nehmen. Letztlich war dies aber nur der berühmte letzte Tropfen, der hier ein Fass voller Unternehmerwillkür zum Überlaufen brachte:
 Vergütung der Beschäftigten nach Gutdünken des Inhabers, zumeist unter Tarif
 Unangekündigte Streichung von Urlaubsgeld
 Durchführung der jährlichen Inventur an Sonntagen
 Begrenzung der Deponierung von Wasserflaschen (zum Trinken) auf den Pausenraum mit der Begründung, im Verkaufsraum Wasser trinkende Angestellte störten die Kundschaft (wobei der Pausenraum im Obergeschoss ist, Trinken also nur bei Verlassen des Arbeitsplatzes möglich).
Das Maß war damals also voll, und die BR-Gründung wurde erfolgreich durchgezogen. Auch massive Behinderungsversuche des Ladenbesitzers konnten dies nicht mehr aufhalten: so wartet der BR z.B. nach wie vor vergeblich auf die angeforderte Information über die genaue Anzahl der Beschäftigten in Stammhaus und Filiale. Schätzungsweise gibt es derzeit in den mittlerweile 3 Calvör-Niederlassungen insgesamt ca. 13-16 Beschäftigte, darunter ein stets größer werdender Anteil von 400-Euro-Kräften.
Bis heute bemüht sich der Eigentümer nach Leibeskräften, den BR komplett zu ignorieren und verweigert jegliche Art der Kooperation. Keiner einzigen der verschiedenen Gesprächseinladungen des BR ist er bisher nachgekommen. Vor diesem Hintergrund ist es ziemlich absurd und dreist, dass Herr Kohl auf Presse-Anfragen zur „Dichtmachen“-Kampagne im September behauptete, von den Vorwürfen überhaupt erst durch das Studentenwerk (Vermieter des Campus-Ladens) erfahren zu haben. Und überhaupt habe aus dem Kreis seiner Angestellten diesbezüglich niemand das persönliche Gespräch mit ihm gesucht. Auf anonyme Vorwürfe und Kampagnen jedenfalls werde er nicht reagieren.
KAMPAGNE WIRKT
Ganz so unbeeindruckt scheint ihn die Kampagne dann aber doch nicht zu lassen: dem Vernehmen nach will er in der Campus-Filiale nun doch Tariflöhne zahlen. Aber nur da, nicht in den Geschäften in der Weender Straße und in Bovenden. Ganz zu Recht fordert daher das Bündnis „Dichtmachen“ weiterhin die Anwendung tarifrechtlicher Mindeststandards für ALLE Calvör-MitarbeiterInnen sowie einen respektvollen Umgang. Dazu gehört auch, dass endlich Schluss ist mit einsamen Entscheidungen nach Gutsherrenart, und dass die gewählte ArbeitnehmerInnenvertretung als Partnerin akzeptiert wird.

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