Reichelt Dichtmachen 6.6.2008

Ticker vom 6. Juni 2008
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Ticker vom 6. Juni 2008
6.00 Uhr — die ersten 70 Streikenden haben sich vor der Filiale in der Berliner Strasse 24 versammelt. Die Geschäftsführung hat grimmig drein schauende Security postiert, aber die Streikenden lassen sich davon nicht einschüchtern.

7.00 Uhr — die Anlieferer waren inzwischen da und haben Waren durch die Streikenden in die Filiale geschoben.

7.27 Uhr — Die nächste Schicht beginnt gleich und wir werden versuchen die Kolleginnen und Kollegen zu überzeugen, sich nicht zu Streikbrecherinnen und Streikbrechern zu machen. Es sind ca. 120 Streikende Beschäftigte und Kundinnen und Unterstützerinnen hier und halten sich mit Kaffee bei Kräften und sprechen mit Kunden und Kundinnen über ihre Forderungen: keine Billigarbeit, keine Streichung der Zuschläge für Nacht- und Spätarbeit, Lohnerhöhung …

8.00 Uhr — Die Polizei raubt das Streikbrechertor – alle sind fassungslos und empört! Der Streikbrechereingang ist ein Tor, dass die Beschäftigten liebevoll selbst gebastelt hatten und das sie am Anfang ihrer Gasse aufstellten, die sie gesetzlich verpflichtet für streikbruchwillige, shoppingwütige KundInnen schaffen müssen. Warum die Polizei dieses Tor unbedingt beschlagnahmen mußten ist unklar, die Beschäftigten sind frustriert, schließlich geht es um ihre Nachtzuschläge und die Polizei kämpft schließlich auch um ihren Tarifvertrag …

8.30 Uhr — trotz der massiven Proteste gehen einzelne Kunden einkaufen – wie unsolidarisch. Die Streikenden lassen sich die Stimmung nicht vermiesen und musizieren vor dem Reichelt munter weiter, reden mit den KundInnen und hoffen, dass diese sich mit ihnen solidarisieren. Die meisten KundInnen zeigen sich jedoch solidarisch, es sind nur einzelne die sich trotzig den Weg bahnen.

9.00 Uhr — die Sonne erwärmt die Streikenden und auch die Polizei und die Lage entspannt sich zunehmend. An einem Open Mic, einem Mikrophon, bei dem sich alle Anwesenden zu Wort melden können, verkünden Kunden ihre Anerkennung und Unterstützung und es berichten Streikende über ihrer Arbeitsbedingungen. Die Filiale ist faktisch dicht, weil fast alle KundInnen sich solidarisieren, auch wenn sie von der Security zunehmend unter Druck gesetzt werden, dennoch einzukaufen.

9.30 Uhr — das Mayday Bündnis erklärt ihr neues Aktionskonzept: Moves, Bewegungen, die die verbalen Forderungen nonverbal unterstreichen und Anwesende zum Mitmachen animieren. Fortan werden etliche Moves einstudiert und gemeinsam aufgeführt. Anschließend wird gemeinsam musiziert und auf der Gitarre improvisiert. Zur Melodie „aus den Blauen Bergen kommen wir“ wird der Einzelhandelsblues gesungen. Die Stimmung ist entspannt, die Filiale ist dicht.

10.00 Uhr — die Lage ist entspannt, allen ist klar: hier wird heute gestreikt. Die Polizei ist nicht mehr so nervös und die Streikenden nicht mehr angespannt. Dieser Reichelt ist dicht und wird heute dicht bleiben. Wo bitte bleibt der Tarifvertrag?

10.30 Uhr — immer wieder halten Autos an, lassen sich Flugblätter durch die Fenster geben, es gibt allerhand Gespräche und überall lesen PassantInnen die rar werdenen Flugblätter, einzelne Streikende von der Berliner Feuerwehr und der Post sind vor Ort und die meisten KundInnen wenden sich von Reichelt ab.

11.00 Uhr — mit der lautstarken Forderung nach mehr Geld und einem menschenwürdigen Bedingungen auch für Reichelt-Beschäftigte wird wieder Stimmung gemacht. Von den Streikenden gibt es herzlichsten Dank an die vielen solidarischen KundInnen, die den Streik und damit die Forderungen der Reichelt-Beschäftigten unterstützen, indem sie heute dort den Einkauf verweigern.

11.30 Uhr — ein Edeka-Lieferwagen fährt vorbei und zeigt durch Hupen seine Symphatie mit den Streikenden, die Menge jubelt die Stimmung ist gut.

12.00 Uhr — das Ziel ist erreicht, 6 Stunden wurde die Reichelt Filiale in der Berliner Straße 24 in Berlin-Wilmersdorf dichtgemacht, ein voller Erfolg und Ermutigung für künftige Aktionen. Denn soviel ist sicher: solange der geforderte Tarifvertrag für die Beschäftigten nicht erreicht ist, gibt es keine Ruhe für den Konzern.

Bilder vom 6. Juni 2008

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